Problematisch bei bis zu 75 Jahre alten Original Altlagerbeständen sind vereinzelte Risse am Isoliermaterial und kontinuierliches Eindringen von Luftfeuchtigkeit. Manche derartige unbenützte Zündspulen aus den 50 er Jahren werden mittlerweile für unbezahlbare Mondpreise gehandelt, obwohl sie ein großes Risiku für baldigen Ausfall darstellen.
Auf der anderen Seite gibt es wiederum unbelehrbare Dienstleister welche uralte Zündpulen reparieren und sich in manchen Fällen sogar viel Mühe damit geben. Ich erhielt vor wenigen Jahren folgendes reparierte Exemplar für einen seltenen 100 ccm Sachsmotor, welches nach nur wenigen Ausfahrten über mehrere Wicklungslagen ein Loch durch die Hochspannungswicklung brannte und diese folglich zerstörte.
Eine kleine Luftblase im Isolierlack, kann solche unerwünschte Schäden verursachen! Deshalb sollte man von defekten Hochspannungswicklungen unbedingt die Finger lassen, Zündgeneratorspulen bis über 1000 Volt RMS kann man stattdessen unbedenklich reparieren, falls man gutes Material verwendet und vor allem sauber arbeitet. Bosch produzierte ab den 1970er Jahren sehr hochwertige und vollständig gekapselte innenliegende Zündspulen für Mopeds, was beispielsweise italienische Mitbewerber mit klassischen Lagenwicklungen nie erreichen konnten. Allerdings waren von Bosch produzierte Kondensatoren eher technische Mittelklasse und leiden heute überwiegend an hohen Leckströmen. Deshalb bevor man derartige Trümmer aus unbekannten alten Lagerbeständen montieren will, vorher an einem Isolationsprüfer mit 500 Volt Prüfspannung dessen Inolationswerte messen. Schlägt dieser sofort durch oder zeigt Isolationswerte im niedrigen einstelligen MegaOhmwert, dann naturgemäß unbrauchbarer Müll. Solche Messungen an fragwürdigen Kondensatoren sollten auch bei höheren Temperaturen (beispielsweise vorwärmen auf 80~110°C) vorgenommen werden. Wenn dann bei Prüfungen in diesem Temperaturbereich beinahe unendlich hohe Isolationswerte gemessen werden, wäre der Prüfling garantiert in Ordnung und wird auch noch längere Zeit funktionieren.
Wer über keinen Isolationsprüfer, LCR-Meter oder andere geeignete Messtechnik verfügt, kann auch eine alte 220/220 Volt Rasiersteckdose als Trenntrafo zweckentfremden und einen Gleichrichter nachschalten. Damit könnte man den Fnkenlöschkondensator auf ca. 330 Volt Gleichspannung aufladen und sollte diesen für mindestens 5 Minuten so liegen lassen. Entlädt man ihn später mit einem Kurzschluß sollte es blitzen und auch hörbar knallen, solche Kondensatoren kann man dann auch in den meisten Fällen erfolgreich nützen. Wenn ich eher exotische Zündanlagen mit innenliegenden Zündspulen bekomme, rüste ich deren defekte Zündpule auf eine innenliegende Zünderregerspule um und spendiere eine zuverlässig funktionierende außenliegende Zündspule und einen modernen impulsfesten Kondensator.
Es gibt mittlerweile auch sehr viele gute (vor allem eigenentwickelte) Produkte aus China, aber Nachbauten bzw. Fälschungen von nahmhaften europäischen Komponenten gehören erfahrungsgemäß nicht dazu! Falls man uralte baumwollisolierte und in Parafin getränkte Original Bosch Zündspulen aus Altlagerbeständen auch heute noch nützen will, dann unbedingt vorher mehrere Stunden mit hoher Antriebsdrehzahl auf einem Prüfantrieb mit ca. 5 bis 7mm langer Funkenstrecke betreiben. Funktioniert diese während solchen Dauerprüfungen problemlos kann man davon ausgehen, dass sie im regulären Einsatz an Mopeds auch noch längere Zeit störungsfrei funktioniert!