KTM Comet 50 RSW läuft nicht (richtig)

Kann dazu nur sagen "Meiner geht super auf einem 5,3 Gusszylinder!"
 
So, wie versprochen der Kurzbericht.

Ich habe den Motor zunächst äußerlich kontrolliert, Wellenspiel, Schaltung, Zündeinstellung, ohne den Motor gleich komplett zu zerlegen.

Der Zündzeitpunkt lag bei 1,35 mm vor OT, das ist natürlich für den 50 SW völlig daneben. Ideal ist 0,9 - 1,0 mm vor OT.

Schaltung hatte kein Spiel, funktionierte relativ gut. Ebenso kein Axialspiel an der Kurbelwelle, somit wurde hier ordentlich gearbeitet.

Da aber nach Aussage vom Besitzer der Motor bei kurzzeitigen Laufversuchen extrem qualmte und nicht den typischen Zweitaktgeruch hatte, musste ich den Motor zerlegen und da tauchten dann doch noch einige Mängel auf.

Zuerst den Zylinder und Kolben vermessen. Der Kolben ist ein Barikit 40,25 mm, erstes Übermaß. Der Zylinder hat ein Laufspiel von 0,06 mm. Ideal wären 0,05 mm. Das ist jetzt nicht extrem schlimm, der Motor läuft damit auch. Man vergeudet halt einige wenige Tausend Kilometer an Laufleistung. Passt trotzdem so einigermaßen. Da Kolben und Zylinder neu sind bzw. neu feingebohrt und gehont wurden, ist das schon noch ok.

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- Befestigungsschrauben Stator zu kurz und ohne Beilagscheiben verbaut.
- Kupplungsnabe drehte sich relativ schwer, die Welle wurde im 6201er Lager nicht richtig ausdistanziert, die verbaute 1,00 mm Scheibe war zu groß; 0,8 mm wären hier richtig gewesen.
- Wasserpumpe um 180° verdreht eingebaut, der Pfeil im Flansch zeigte nach oben und nicht nach unten.
- O-Ringe, Wellendichtring und Rillenkugellager der Wasserpumpe wurden nicht ersetzt, die Gleitringdichtung ist noch sehr gut.
- Abtriebswelle hatte 0,3 mm zu viel axiales Spiel
- Exzenterbuchse Schaltautomat mit etwas zu wenig Spiel am Anschlag

Dann der Wellendichtring kupplungsseitig Kurbelgehäuse:

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Das kann nicht dicht werden, das zieht Öl.

Außerdem wurde anscheinend der BO 17-Außenring wieder unsachgemäß "entfernt", man sieht im nachfolgenden Bild Spuren von einem Schraubendreher oder Meißel o. ä.

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Ist ganz einfach unsachgemäß.... Weitere Kommentare erspare ich mir. Auf den obigen beiden Bildern ist übrigens der neue Wellendichtring mit Kunststoffmantel schon montiert.

Dann alles wieder zusammengebaut, alle o. g. Mängel behoben und Testlauf:

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Läuft jetzt wieder sehr gut. Kein Wasserverlust, springt gut an, hat Leistung, sauberes Standgas, Schaltung auch top. So passt das jetzt.

Wermutstropfen: Mir ist es nicht gelungen den originalen Bing 1/19/105 (speziell für KTM) ordentlich hinzubekommen. Teillast, Volllast hätten gepasst, nur Leerlauf nicht. Und zwar nicht ums verrecken, alles probiert, Vergaser zig-mal abgebaut, gereinigt, Düsen, Düsenstock, Schwimmer, Leerlaufdüse usw. hin und hergetauscht, neuer Düsenstock, mehrere Kombinationen mit neuen Düsennadeln, Schwimmern usw.. Dann hatte ich keine Lust mehr.

Im oberen Bild ist ein mein Referenz Bing 1/19/31 im guten Zustand verbaut. Orig. /31er Komponenten. Damit läuft der Motor ideal und macht genau das was er soll.
 
Hallo Holger,

verharzte alte 1/19/31 Bing Vergaser können richtige Schweine sein, folglich habe ich an den meisten aus meinem Lagerbestand die Gehäuse mechanisch beschädigt und entsorgt. Hätte ich sie verschenkt, wären sie garantiert irgendwann bei eBay oder Willhaben zu Mondpreisen aufgetaucht. Mit meiner Maßnahme hatte ich wenigstens keine späteren Sorgen.
 
Ich habe den Motor live in Aktion gesehen und der lief wunderbar. Er hat mir auch netterweise seinen Vergaser zur Verfügung gestellt damit ich diesen bei mir weiter verwenden kann. Allerdings funktioniert bei mir in der KTM absolut gar nichts zuverlässig.

Ich weiß mittlerweile, dass ich wahrscheinlich den falschen Krümmer habe. Das würde erklären wieso ich nicht die 80kmh erreiche aber das ist mein geringstes Problem. Auspuff ist frei und der Luftfilter neu, genauso wie die Zündkerze. Vergleichsweise habe ich die alte 40 Jahre alte Zündkerze versucht mit exakt dem gleichen nachfolgenden Verhalten.

Mit dem Bing Vergaser mit meinem Düsenstock und meiner originalen Düse läuft es einigermaßen. Allerdings brauche ich echt Drehzahl damit ich überhaupt anfahren kann. Mit Drehzahl fährts auch so 60-65kmh. Standgas ist sehr unzuverlässig, egal was ich wie einstelle. Mal läufts minutenlang, mal gehts direkt aus oder erst gar nicht an. Dann nur mit 15m anschieben und Vollgas. Falschluft habe ich keine, das habe ich mit Bremsenreiniger geprüft während sie im Stand lief. Vergasereinstellungen wie in den technischen Daten eingestellt.

Ich habe mir den originalen Mikuni VM20-151 mit einer 85er und einer 90er Düse besorgt. Damit bekomme ich den Motor noch seltener an. Beim antreten nur ganz selten mit Vollgas und dann bleibt er gerade so lange an bis ich ein wenig vom Gas gehe. Ein bisschen bekomme ich ihn ohne extra Gas zum laufen wenn ich das Standgas ganz reindrehe und die Gemischschraube 2 Umdrehungen draußen habe. Ob das Zufall war oder nicht weiß ich nicht. Nachdem der Motor aus war, habe ich ihn damit nämlich nicht mehr anbekommen.

Mit beiden Vergasern ist die Kerze viel zu Nass. In Krümmer und Auspuff sammelt sich richtig viel schwarzes Öl.

Ich habe gehofft mit dem Mikuni läuft es wenigstens, ich muss keine 80kmh Endgeschwindigkeit erreichen, das wäre nur die Kür. So ich bin ratlos und habe auch irgendwie keine Lust mehr.
 
Servus Fischer,

Nicht aufgeben.
Ich glaub Holger schrieb mal was, das der Rahmendurchlass zum Luftfilter kleiner ist als bei den Hercules oder der Luftfilter zu wenig Durchlass hat für den vm 20. Bin mir nicht mehr sicher.
Aber zu wenig Luft könnt ich mir vorstellen wenn sie so schlecht verbrennt.

Gruß Christian
 
Hier nochmal ein paar Bilder. Vielleicht erkennt ja jemand meinen Fehler an der ganzen Sache...
Anhang anzeigen IMG_6637.jpeg
Zwischen Vergaser und Luftfilter müsst ihr euch noch eine Schelle vorstellen. Die hatte ich vor dem Bild demontiert.
Anhang anzeigen IMG_6638.jpeg

Das ist die Brühe die nach etlichen Startversuchen aus dem Auspuff und Krümmer raus kommt:

IMG_6644.jpeg
 
Den Mikuni VM20 musst Du kleiner bedüsen, 85 bis 90 ist garantiert zu groß. Eher 75 bis 80, wäre dafür die passende Wahl!
 
Prinzipiell ja wenn er beim Fahren dann nicht so auf die Endgeschwindigkeit will, aber das hat ja erstmal nichts mit Standgas zu tun?
 
Die passende Leerlaufdüse sollte bei ca. 25 bis 30 liegen, in jedem Fall waren das vor ca. 45 Jahren passende Richtwerte mit damals noch verbleitem Kraftstoff!
 
Versuch es nochmal mit der Empfehlung von Ewald
 
Es hat mir dann doch keine Ruhe gelassen und ich habe mich nochmal hingesetzt.
Mit der 85er Hauptdüse und 30er Nebendüse läuft er "ok" wenn die Luftschraube 3,5 Umdrehungen draußen ist. Das zur groben Einstellung. Eine 25er Neben und 80er Hauptdüse werde ich mir die Tage noch zulegen.

An der 50SW Fahrer: Ist das normal, dass die Motoren richtig Drehzahl brauchen? Also unter 6000 Umdrehungen brauche ich gar nicht anfahren. Die Gänge muss ich auch voll ausdrehen zum Hochschalten, sonst werde ich langsamer. Generell bergauf muss ich immer runterschalten. Mindestens in den 3., meist sogar in den 2. Gang.

Dann lässt mir das Thema Auspuff und Krümmer keine Ruhe. Aktuelle Höchstgeschwindigkeit liegt so bei knappen 70kmh. Verbaut habe ich diesen Krümmer hier: https://www.puch-wieser.at/auspuffkruemmer-chrom-6719.html
Das war erstmal die Einzige, der gepasst hat. Auspuff ist irgendein No-Name. Keine Ahnung von welcher Marke, hat keine Aufschrift. Nun habe ich gesehen, dass es noch andere Krümmer gibt: https://www.motorradmeistermilz.de/Kruemmer-fuer-SACHS-50-SW-mit-Flansch-zB-fuer-Hercules-K50-RLC

Meiner hat nämlich die Verjüngung nicht (rot markiert):
krümmer.png


Leider habe ich auch meinen alten Krümmer nicht mehr.... Hat jemand vielleicht Bilder von dem originalen Auspuff und Krümmer? Hat jemand Erfahrung welche Kombination funktioniert? Was ist da genau der Unterschied zu dem was man so im Internet bekommt oder hat sogar jemand noch was zum Verkauf liegen?

Achja, hier nochmal die Bilder von der Kerze nach ca. 3km. Alle Bilder direkt nacheinander nur mit verschiedenem Licht, da es schon etwas dunkel wurde.

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Der werksseitig montierte Auspuff hat so ausgesehen.

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Die wassergekühlen 50 ccm Sachs Motoren sind Kurzhuber und werden ohnehin erst ab ca. 6000 Upm munter. Der Krümmer sollte nicht zu weit in den Auspufftopf ragen, sonst verhält sich der Motor wie eine lahme Ente! Verkürzt man den Topf um ca. 10 cm, werden solche Motoren richtig giftig und drehen gut im fünfstelligen Drehzahlbereich. Allerdings geht dann unter 8000 Upm so gut wie gar nichts mehr und der Materialverschleiß wird sehr hoch.
 
Ich messe morgen mal wie viel der Krümmer in den Auspuff hineingeht. Vom Gefühl her würde ich sagen schon ein Stück. Ich habe eben keine Referenz wie weit der rein muss, bzw ob ich den Krümmer vielleicht kürzen muss.
 
Die Auspuffkrümmer für zweiteilige KTM Auspuffanlagen an Kleinkrafträdern reichten werksseitig kaum tiefer in den Topf, als die Breite der Auspuffschelle. Ab 1979 mit der Einführung der ersten RLW Modelle, gab es nur noch die einteiligen Auspuffanlagen, wo der Krümmer fest mit dem Topf verschweißt war.


Verkürzen vom Topf und wieder zusammenschweißen brachte zwar nennenswerten Leistungszuwachs und üppige Motordrehzahlen, allerding auf Kosten von mörderischen Materialverschleiß. Die Leistungscharakteristik wurde damit sehr spitz und der 50SW Motor war niedertourig nicht mehr fahrbar!
 
Ich habe mal ein bisschen den Messschieber bedient.
Ansaugstutzen am Zylinder außen: 25,5mm
Mikuni innen ohne Reduzierring: 29,5mm, mit Ring -4mm, also 25,5mm.
Da hatte @cluberer2003 aber schon angemerkt, dass da wohl ein bisschen Falschluft gezogen wird. Mein Schwager druckt einen neuen Ring mit ca. 1mm mehr Reduzierung insgesamt, dass er beim Klemmen dann definitiv keine Falschluft mehr zieht.

Mikuni Ansaugseite innen: 31,7mm
Mikuni Ansaugseite außen: 35mm
Faltenbalg innen: 39mm, Wandstärke 2mm.
Hier hatte ich noch den alten löchrigen Faltenbalg, mit dem ich das prima passend reduzieren konnte. Da druckt mein Schwager aber ebenfalls ein Neuteil, dass ein bisschen besser sitzt und ordentlich mit einer Schlauchschelle geklemmt werden kann.

Luftfilterhalter innen: 42mm
Da der Faltenbalg dann auf einen Außendurchmesser von 43mm kommt, kann man ihn einfach stecken und er sollte auch so dicht sein. Mit einer Schlauchschelle kann man hier nichts machen, da der Halter aus Plastik und nicht Klemmbar ist.

Was man mit den Infos nun anfangen kann, weiß ich nicht. Man kann damit und mit den Motordaten bestimmt die optimalen Düsengröße berechnen, ich aber leider nicht.


Nun zum aktuellen Auspuff. Hier habe ich einige Bilder gemacht. Wie bereits angesprochen hat der Krümmer am Motorende nicht die Verjüngung, sondern ist einfach nur rund. Die RSW hatte zumindest bei diesem Modelljahr Krümmer und Endtopf getrennt, das waren 2 Teile wie auch in Ewalds Bild oben ersichtlich ist.

Der Auspuff war ca. 7cm auf dem Krümmer aufgesteckt.
Auspuff anfang bis zum ersten Blech drin sind ca 45,5cm, vom Blech bis zur abnehmbaren Endkappe ca. 17,5cm. Gesamtlänge Auspuff + Endkappe ca 73cm ohne Krümmer. Der Rest ist in den Bildern ohne Erklärung ersichtlich.

So, nun ist guter Rat teuer :D
 

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