Kupplungsdeckel runter, sieht alles sehr gut aus.
Das Kupplungsspiel war immer korrekt eingestellt. Die Kontaktfläche vom Druckbolzen ist noch richtig gut.
Auch die Distanzscheibe auf der Schaltwelle ist vorhanden, die fehlt in 50 % der Fälle...
Und tatsächlich noch die erste Kurbelwelle, sehr wahrscheinlich jedenfalls. Sicherungsblech noch nicht malträtiert.
Gehäuseschrauben, M6x75 und M6x52: hier sieht man sehr schön, dass nur die 6 Stück im Generatorraum eingeklebt wurden bzw. werden.
Dann die erste Überraschung:
Ein Stück vom Lagerkäfig eines Rillenkugellagers liegt lose im Getriebe.
Kurbelraum, Kurbelwelle u. BO 17 Lager total schwarz verölt. Ein klares Zeichen, dass Getriebeöl mitverbrannt wurde.
Außenringe vom 16004er Lager angerostet:
Dieses Getriebe erzählt mir wieder eindeutig eine Geschichte. Das Moped mit diesem Motor hatte einen ordentlichen (Erst-)besitzer. Dieser hat sein Moped gefahren, ohne groß zu basteln oder irgendwas umzubauen. Sozusagen pfeglich behandelt. Irgendwann weggestellt. Nach vielen Jahren bekam das Moped einen neuen Besitzer, der es wieder in Gang brachte und damit gefahren ist. Stand- u. Altersschäden sind: verhärtete Simmerringe, teilweise Rost durch Kondenswasser an verschiedenen Teilen im Getriebe. Es ist immer ein Risiko, solche länger gestandenen Fahrzeuge bzw. Motoren in Betrieb zu nehmen. Eigentlich sollten alle Motoren erstmal geöffnet werden. Es gibt hier nur ganz wenige Ausnahmen, wo es ohne Probleme klappt.
Getriebe:
Ziehkeil sind noch relativ gut aus, erstaunlich nach dieser Laufleistung. Auch ein Indiz, dass der Erstbesitzer sehr ordentlich damit umgegangen ist:
Wenn man jetzt meint, dass das alles noch in Ordnung ist und man nichts weiter machen braucht bzw. das so wieder verbaut..... Könnte ein böses Erwachen geben. Man müsste doch eigentlich nur alles äußerlich säubern, dann passt das wieder? Der Ziehkeil hat ja noch 90 Prozent, der geht schon noch...
Auch im obigen Bild sieht man leichten Flugrost auf der Welle.
Nein, einfach so wieder verbauen geht natürlich nicht. Das wird alles zerlegt und geprüft.
Die Schaltstange hat deutliche Spuren der Schaltvorgänge, die Näpfe hinterlassen ihre Spuren. Die Gänge rasten somit nicht mehr definiert u. korrekt ein.
Dann die Druckfedern u. Näpfe entfernt, Überraschung:
Eine Druckfeder ist gebrochen, wird ersetzt. Auch das hätte ein schwieriges, teilweise unmögliches Schaltverhalten zur Folge, würde man das so wieder verbauen bzw. erst gar nicht prüfen.
Komplettiert und die Schaltstange so verbaut, dass die Näpfe über einen unbenutzten Bereich der Schaltstange einrasten. Wenn man die Spuren in der Aussparung der Welle so, wie im nachfolgenden Bild, sieht, kann man das getrost so machen.
Die Näpfe gleiten nun über einem um ca. 90° Grad versetzten Bereich der Schaltstange.
Die Schalträder haben nur geringe Laufspuren, können wiederverwendet werden:
Jetzt zum Lagerkäfig. Wo kommt das ausgebrochene Stück her? Von dem 6004er Lager hinter dem Ritzel.
Der Käfig ist nur noch im markierten Bereich vorhanden. Von ca. 9 - 3 Uhr fehlt er. Man muss schon genau hinsehen.
Warum geht das kaputt? Die Antwort ist auch eindeutig und nachvollziehbar. Hier wurde die Kette zu stark gespannt, das hat eine sehr hohe Belastung des Lagers zur Folge. Irgendwann bricht eben der Käfig.
Linke Hälfte gereinigt und Lager entfernt:
Neue Lager rein.
Rechte Hälfte, zuerst das BO 17 und das 6004er Lager raus.
Dann das neue BO 17 und das 6004er rein, gleich danach den Innenauszieher mit Gegenstütze für das 6201er Lager der Vorgelegewelle im Sackloch angesetzt.....
Und rausgezogen:
Lagersitz gereinigt.
Profilscheibe rein:
6201er Lager einsetzen:
Jetzt können die Hälften abkühlen, dann werden die Lager nachgesetzt und die Arbeit geht weiter.