Sachs 501/4 BKF - Überholung

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paku00

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Hercules MK2
Hallo zusammen,

Ich habe bei ebay eine Hercules MK2 erstanden, welche teilweise schon hergerichtet ist und stehe nun vor dem Projekt, den Motor zu überholen.
Der Motor ist ein Sachs 501/4 bkf und wurde bereits komplett auseinandergebaut.
Ich bin relativ neu auf dem Gebiet der 50ccm Motoren, aber durch langjährige Schrauberfahrung an PKW und meinen technischen Hintergrund, traue ich mir diese Überholung zu.
Grundsätzlich möchte ich den Motor in einen soliden Zustand bringen, sodass ich weiß, dass er noch ein paar 1000km weiterfährt. Ich bin aber auch kein perfektionist, sodass der Motor umbedingt den Sammlerzustand erreichen muss.


Folgenden Punkten habe ich bisher Beachtung geschenkt, weiß aber nicht 100% wie ich am besten weiter vorgehe:

1. Kurbelwelle/Lager
Die Kurbelwelle ist augenscheinlich i.O. allerdings fühlen sich das untere und obere Pleullager schon etwas wackelig an. Direktes Höhenspiel ist nicht zu erfühlen, allerdings habe ich diesen Test gemacht und höre ein wenig das metallische Klingen, welches Spiel im unteren Lager verrät.
Hier ist noch ein Video von meiner KW, ich weiß allerdings nicht ob dieses viel über den Zustand der Lager verrät.

Meint ihr man sollte die Lager austauschen? Wenn ja, dann macht es wahrscheinlich Sinn die komplette KW zu tauschen. Da hatte ich an dieses Nachbau-Teil gedacht, welches laut meiner Recherchen zu meinem Motor passen sollte.


2. Getriebewelle/Hauptwelle
Hier habe ich die größten Bedenken, da deutliche Einlaufspuren dort zu sehen sind, wo das erste Gangrad sitzt. Auf den Bildern sieht man die Spuren auf der Hauptwelle und das erste Gangrad.
1681566419032.jpg
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1681566419081.jpg


Kann man diese Welle noch verbauen oder irgendwie retten? Ich vermute allerdings schon, dass eine neue hermuss. Hier besteht das Problem, dass ich diese Welle nicht mehr neu online finde, gibt es sonst irgendwelche Bezugsquellen, wo ich die Welle herbekommen könnte? Gibt es sonst noch Alternativen die auch passen?
Letztlich - wenn ich eine neue Welle habe, können die alten Gangräder noch verbaut werden? Sie sehen alle noch recht gut aus, nur das erste (siehe Bild) hat schon ein paar Macken.


3. Bronzebuchsen im Gehäuse und im Vorgelegerad:
Hier habe ich mit dem Messschieber und per Hand geprüft, es gibt ein wenig Spiel, aber nichts was ich als kritisch einschätzen würde. Gibt es hierzu auch konkrete Anhaltspunkte, woran man einen fortgeschrittenen Verschleiß festmachen kann?

4. Kolben/Zylinder:
Der Kolben hat deutliche Riefen, sodass ich Kolben und Zylinder einfach neu machen werde



Schließlich die Frage, ob dies alle Punkte sind, die ich bei der Überholung beachten sollte, oder ob es noch weitere Details gibt, welche ich überprüfen sollte, bevor ich mit der Überholung beginne.

Vielen Dank und Grüße!
 
servus Namenloser,

Zur KW:
Ja, wenn man bei diesem Test das Klingen hört, sollte die KW neu. Eine Instandsetzung der alten KW kommt aus Kostengründen meist nicht infrage. Und nach Werksvorgabe ausdistanzieren. Unter dem Rillenkugellager und dem Lagerinnenringen muss man Passscheiben unterlegen, damit die Kurbelwelle axial maximal ein Zehntel Millimeter Spiel im eingebauten Zustand hat.
Für diesen Motor gibts auch eine Reparaturanleitung. Ich würde dir empfehlen, dir eine solche zuzulegen, denn das Getriebe und die KW müssen korrekt ausdistanziert sein, damit der Motor ordentlich funktioniert. Darin steht alles beschrieben.

Die von dir rausgesuchte Kurbelwelle passt, allerdings brauchst du für die Antriebsseite eine größere Mutter (M12x1,5) mit dicker Unterlegscheibe (ca. 4mm) und beide Halbmonde (Antriebsseite und Magnetseite) sind nicht passend platziert.

Zur Getriebewelle:
Zahnrad und Welle würde ich nicht mehr verbauen. Das Zahnrad gibts im Netz neu. Die Zahnräder vom 1. bis 4. Gang vom Sachs 50S passen auch in den 501. Welle gibts nicht, da muss man eine gute Gebrauchte finden. Schaltstange (wo die Nutmutter und der Ziehkeil aufgeschraubt sind) muss geprüft werden, ob sie krumm ist. Ziehkeil (Schaltfinger in der Hauptwelle) sollte auch immer erneuert werden, der vom 50S passt da auch.

Zur Bronzebuchse:
Wenn du als erfahrener Schrauber das Spiel als unkritisch siehst, sollte das auch passen ;) Solange die Buchse auch noch rund ist und keine deutlichen Fresser zu sehen sind, ist alles in grünem Bereich.

Viel Erfolg!
 
Die fressspuren auf der Welle kann man mit einem Dremel abschleifen, nicht mit einem harten Stein natürlich, aber mit dem runden Schleifzylinder auf dem Gummiproppen. Die fressspuren sind weicher als die gehärtete Welle, deshalb kriegt man die sogar ganz gut runter.
Hinterher nehme ich einen lamellierten Schleifer und poliere das alles noch schön glatt, dabei kann man die Welle auch in zwei Lager spannen, sodass sie sich mit niedrigerer Geschwindigkeit aber halt gleichmäßig mitdreht.
Ob man das Rad noch retten kann, ich weiß nicht, es sollte hinterher schon gleitend über die Welle gehen.
Die fressspuren kommen wohl davon, dass der getriebekeil gelegentlich gegen die Nuten schlägt und dabei Wülste aufwirft, und die fressen sich dann auf der Welle fest.
Man sollte bei den Rädern solche sichtbaren Wülste auch vorsichtig wegschleifen.
 
Hallo,

Vielen Dank für die Antworten.
Als KW werde ich dann die aus dem Link nehmen mit anderer Mutter und Unterlegscheibe. Ich habe gelesen, dass das Vorgelegerad auch ohne den halbmondförmigen Nutenstein hält, wenn man die Mutter fest genug zieht...

@Mopedikürer
Das Abschleifen der Welle klingt interessant, da der Markt für gebrauchte Wellen nicht so vielversprechend aussieht.

Wenn ich die Riefen jedoch wegschleife, habe ich ja auf jeden Fall ein leichtes Untermaß hinterher (Welle wird dünner). Was ist hier deiner Meinung nach tolerierbar? Wenn ich ein neues Gangrad einsetze, statt das alte auch noch abzuschleifen und damit zu vergrößern, bin ich hier ja vielleicht noch im grünen Bereich.

Um sicherzustellen, dass ich die Werkzeugwahl, die du vorgeschlagen hast, richtig verstehe:
1. Abschleifen mit Schleifzylinder (wahrscheinlich so fein wie möglich - 100-150er Körnung)
71hyUshfDeL._AC_SL1500_.jpg

2. Polieren mit Fächerschleifer
thumb.jpg


Beste Grüße
 
Ich drehe auf das Gewinde immer eine Mutter, setze dort einen Akkuschrauber an und drehe die Welle mit geringer Drehzahl.
Dabei lagere ich sie auf der anderen Seite auf einer Schutzbacke aus Alu bzw. in einem Lager.
Dann kann ich die Welle ganz entspannt und gleichmässig mit Schleifpapier abziehen.
 
Ich habe gelesen, dass das Vorgelegerad auch ohne den halbmondförmigen Nutenstein hält, wenn man die Mutter fest genug zieht...
Ja das stimmt, ich nehme als Richtwert für die M12x1,5 Mutter immer ein Drehmoment von 80 - 85 Nm. Ein wenig Schraubensicherung auf die Welle unter den Primärantrieb schadet auch nicht.

Auf der Zündungsseite muss man einfach ein bisschen spielen, bis man den richtigen Zündzeitpunkt hat. Wenn man das originale Polrad mit Passfeder montiert, stimmt der Zündzeitpunkt nicht. Man kann sie auch ohne montieren, das Polrad hält genauso. Es ist aber eine Spielerei, bis der ZZP dann passt.
 
Es kann schon sein, dass man die Welle bei den fressspuren ein wenig einschleift, aber die fressspuren gehen ja auch nicht über die ganze Breite des schaltrades, und es ist ja nicht so, dass man hinterher dort eine Rille sieht oder fühlt, es kann eher sein, dass ein paar Lunker übrig bleiben.
Mit dem lamellenschleifer trägt man so gut wie gar kein Material ab, das ist sozusagen nur zum überpolieren.
Auch einen angefressenen Ritzel Konus kriegt man meistens auch wieder hin, zumindest haben meine Wellen immer das Ritzel getragen ohne Probleme.
Man hat ja mit übrigen schalträdern einen ganz guten Vergleich, wie weit so ein Rad auf der Welle kippeln darf und wie sich der Lauf des Rades auf der Welle anfühlt.
Man kann auch eines der anderen Räder auf die geschliffene Stelle setzen, und schauen, wie sich ein neues Rad dort ungefähr verhalten würde.
Das ist so schwierig nicht zu entscheiden.

Und wie gesagt, dass beim Fressen verschweißte Material ist wesentlich weicher als die Welle selbst, das erleichtert die Sache natürlich ungemein. Und an den schalträdern, an den Nuten sollte man natürlich auch die Ursache dafür beseitigen, nämlich aufgeworfene Wulste entfernen.
Alleine durch die hohe Drehzahl in den ersten beiden Gängen kommen noch keine fressspuren, Abnutzung ein wenig ja, aber das Fressen kommt erst, wenn der ziehkeil gegengeschlagen ist und einen Wulst aufgeworfen hat.
Da die Welle im Leerlauf durch Reibung auch bei gezogener Kupplung mitdreht, schlägt der Keil beim Schalten in den ersten Gang oft ein wenig an, das ist ein bekanntes Phänomen bei allen möglichen Motorrad getrieben.


Da hatte ich im Jahr 2014 mal eine komplette hausfrauengerechte Anleitung bereitgestellt
 
Zuletzt bearbeitet:
Danke für die Tipps. Ich habe die Welle nun wieder einigermaßen hinbekommen und das erste Gangrad hat nun ein kleines bisschen mehr Spiel als die anderen Räder aber es sollte funktionieren.

Bevor ich die Teile nun bestelle habe ich noch ein paar weitere Fragen:

1. Kann ich auch diese KW bestellen, die sieht meiner ähnlicher und sie scheint auch die Nuten an den richtigen Stellen zu haben, nur bin ich nicht sicher, ob sie den 12mm oder 14mm Kolbebolzen hat:

2. Kann ich nur das erste Gangrad (46Z) auswechseln und zwar für dieses hier vom Sachs 50S: https://www.ebay.de/itm/133350504931
Es sieht etwas anders aus, da es nur 4 statt 6 Aussparungen hat, aber das sollte der Funktion ja nicht abträglich sein. Kann ich dieses nun einfach so statt meinem verbauen, oder muss ich wenn dann alle Gangräder wechseln?


@Mopedikürer deine Anleitung habe ich schon gelesen, bzw. werde mich beim Wiederaufbau daran halten, sehr hilfreich und detailliert beschrieben!

Vielen Dank und Grüße,
Simon
 
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servus,

zu 1: Die Welle geht auch aber da kann ich nichts dazu sagen, wie qualitativ die Welle ist und ob die was taugt.

zu 2: Das reicht, den 1. Gang zu wechseln. Wenn die anderen Zahnräder in Ordnung sind, kannst du sie weiter verwenden. Dass es nur 4 Aussparungen sind, schränkt die Funktion nicht ein.
 
Hallo,

Ich muss zwischendurch nochmal eine Frage stellen. Bisher hat alles ganz gut geklappt und ich bin nun soweit, dass ich die Motorhälften nach einmessen der Wellen und Zusammenstellung der Passscheiben testhalber zusammengesetzt habe.

Dabei habe ich bestimmt 50 mal nachgemessen und bin immer auf 1/10-5/100 Spiel bei der Kurbelwelle gekommen.
Wenn ich jetzt alles zusammenschraube dann kann ich die Kurbelwelle drehen, aber sie bleibt auch schnell wieder von selbst stehen. Es ist auch nicht so, dass die Gegengewichte sie durch die Schwerkraft nach unten drehen können. Jetzt bin ich mir nicht sicher, ob das schon als zu stramm gewertet werden kann?

Ich würde mir als nächstes einen BO17 abziehen holen und 5/100 Passscheiben entfernen. Dann nochmal gucken wie es ist. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich das strammen richtig eingeschätzt habe, da mein Spiel eigentlich stimmen müsste.

Die einzige Referenz die ich gefunden habe ist dieses Video, so leicht läuft meine auf jeden Fall nicht. Muss sie das denn aber?

Kann jemand das Wort "strammen" etwas genauer definieren? Muss die KW sich zum Beispiel durch die Schwerkraft mit den Kurbelwangen nach unten drehen? Muss sie lange weiterlaufen, wenn man sie anstößt?


Viele Grüße
Simon
 
dann korrigiere mal schnell das Achsialpiel der Kurbelwelle.
Diese muß auf jeden Fall durch die Schwerkraft nach unten aus beiden Drehrichtungen auspendeln
bei etwas Seitenspiel,jedoch nur ca. 2 - 5/100tel mm.
So wie du es beschreibst dürfte die Welle zu eng sein.
Du hast das doch ohne die Wellendichtringe festgestellt?
Jan.
 
Ja das werde ich dann wohl als nächstes tun.
Ich habe es ohne Wellendichtringe geprüft, ja. Ich habe aber durch provisorische Papierschnipsel zwischen den Gehäusehälften das Spiel um 2/10 erhöht und die Welle dreht sich zwar leichter, aber immer noch nicht rein durch die Schwerkraft. Das finde ich etwas seltsam weil ich doch durch mehrfaches nachmessen eigentlich auf das richtige Spiel gekommen bin.

Eine weitere Frage in dem Zusammenhang wäre, ob die Seite wo ich die Passscheiben unterlege/anpasse eine Rolle spielt.
In einer Ersatzteilliste des Motors sind diese nämlich auf Kupplungsseite unterzubringen, laut einer Sachs Reparaturanleitung soll man Sie auf der Magnetseite auflegen. Bei der Anleitung von Mopedikürer hier im Forum sollen sie gleichmäßig verteilt werden - ist es egal wo sie hinkommen, solang es einigermaßen gleichmäßig ist oder wonach kann man sich hier richten?
 
am besten ist es immer die Montageanleitung beachten. wenn es aus irgendeinen Grund nicht machbar ist,dann
sehen dass die Kurbelwelle in der Mitte läuft.
Kleine Abweichungen dvon sind nicht so schlimm.
Dreht sich die Welle immer noch schwer,so ist sie halt zu stramm.
Besorge dir einen Abzieher für die Schulterlager,den brauchst du unbedingt.
Sind die BO 17 auch wirklich ganz aufgepresst?
Ich mache das mit einem mit den Flächen parallel passenden Rohrstück und einem Gewindebolzen der
auf die Kurbelwellenenden geschraubt wird und ziehe die Mutter auf dem Rohrstück fest.
Es geht spürbar immer noch etwas weiter zur Kurbelwange.
Mit dem Ausmessen des Spiels und dann die passenden Scheiben beilegen,das stimmt nie,mußt etwas reichlicher
Spiel geben.
Eine Meßuhr an einem Ende der Welle ist eigentlich auch nötig.
Jan.
 
servus,

Die Kurbelwelle muss man mittig ausdistanzieren, also ungefähr auf beiden Seiten gleich viel unterlegen.
Schau doch mal, ob die Kurbelwelle auch wirklich nirgendwo schleift. Wenn das Gehäuse mal einen bösen Fresser hatte, kann das schon mal vorkommen.
Kontrolliere außerdem, ob die Außenringe der BO17 Lager gerade und nicht etwas schräg in der Passung sitzen.
Außerdem muss die erste Distanzscheibe, die du bei der Kurbelwelle unterlegst, im Innendurchmesser etwas größer sein. Ein 17,5er oder 18er Innendurchmesser passt. Neue Nachbauwellen haben vom Zapfen zur Wange einen Übergang. Wenn du Passscheiben mit genau 17mm Innendurchmesser verwendest, lässt sie sich nicht komplett drauf pressen und sie verkantet sich und liegt nicht flach an der Wange an.
 
Dass die Passscheiben bei der Nachbau Kurbelwelle innen angeschliffen sein müssen ist echt zu beachten!
Auch sollte man BO17 Qualitätslager FAG oder SLF mit 10 Kugeln, nicht mit 11 verwenden, der etwas größere Radius macht einen merkbar größeren Toleranzbereich aus, bei 11 Kugeln muss man schon auf einen 0,05er-Schritt genau ausgleichen, bei 10 Kugeln hat man einen ganzen Zehntel Narrenfreiheit, sollte dann aber trotzdem besser auf 0, 05 hin ausgleichen.
Das Rillenkugellager ist als C4 angegeben, da Presssitz im Gehäuse und Presssitz auf der Welle, je nachdem wie stramm der Sitz noch ist, wirkt sich das auf das radiale und axiale Spiel des Lagers aus. Im Extremfall steht dann der Innenring mehr als einen halben Zehntel aus dem Lager raus. In der Regel kann man auch dort gut ein C3 Lager verbauen.
Leider kann man nur am Lagersitz messen und nicht am eingebauten Lager am Innenring 🤷‍♂️.
Nur ein paar Papierschnipsel werden nicht dieselbe Wirkung bringen wie eine 0,05 mm stärkere Dichtung.
Das wichtigste ist natürlich, dass die Passscheiben komplett an der Wellenwange anliegen, dazu müssen sie bei den nachbauwellen meistens schräg geschliffen sein.
 

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