Hercules Ultra RS 50 zu Besuch

cluberer2003

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Kawasaki Z900RS, Supra 4, MK 1, Sportbike SB, Prima 5 1979, M 4 Bj. 1978, BMW 535 d F11 LCI
Ich habe die Ehre - ja, so muss ich es ausdrücken - eine Ultra RS 50 zu Besuch zu haben. Durchsicht, Fahrprüfung, Motor überprüfen usw..

Sehr selten, ich weiß gar nicht wieviele gebaut wurden:

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Die Motorverkleidung wurde vom Besitzer schon demontiert. Die RS ist eine der ersten, Fahrgestellnummer dreistellig. 100er Bereich.

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Der Motor ist ein Sachs 50 SW/6 mit dem berühmten 687er Auspuff und dem Bing 21/20/110.

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Dadurch wurde eine Leistung von satten 8,3 PS erzielt. Damals sehr viel für eine originale und ungetunte 50er.

Bei der Übergabe konnte ich schon ein Stück damit fahren. Der Motor klingt erstmal gut. Schaltung ist auch in Ordnung. Keine störenden Geräsuche vom Motor. Laufleistung.....

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Erstaunlich ist, dass die Ultra im Erstbesitz ist. D. h., dass der Besitzer das Moped damals sich mit 16 Jahren neu gekauft hat und jetzt immer noch stolzer Eigentümer ist.

Ich werde jetzt nach und nach alles überprüfen. Hauptsächlich Motor, Auspuff, Fahrwerk usw.. Darüber werde ich hier auch berichten. Bin selbst gespannt, was so alles zum "Vorschein" kommt.

Wasserpumpe ist so ein Thema, da muss ich mal schauen, ob die noch ordentlich arbeitet, sprich kein Kühlwasserverlust vorliegt. Zündeinstellung, Vergasereinstellung, Luftfilter usw.

Der Reihe nach... Erstmal den Auspuff kontrollieren.

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Einteilig, mit konischem Übergang vom Krümmer zum Auspuff. Da nicht zerlegbar, schlecht zu reinigen.

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Etwas Ölkohle vorhanden, da muss was gemacht werden.

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Aber nicht ausbrennen, sondern.....

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1 kg auf 3 Liter kaltes Wasser. Anmischen und dann in den verschlossenen Auspuff geben. Nur mit Handschuhen arbeiten!!

Krümmerflansch abdichten....

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Hochkant lagern und die Brühe reinkippen, muss für mehrere Tage einwirken. Hab das noch nie gemacht, bin aufs Ergebnis gespannt.

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Derweil den Dämpfereinsatz ausgebrannt.

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Abkühlen, abbürsten. Sieht dann wieder sehr ordentlich aus.

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Ebenso das Endstück:

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Fortsetzung folgt....

Falls irgendwelche Fragen zu dem Moped auftauchen, gerne schreiben.
 

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Den Auspuff solltest du beidseits abdichten an und ab mal wenden.
 
Schauen wir mal.....
 
Um einen gewissen Vergleich mit einem "normalen" SW-Auspuff (plus Krümmer) zu haben, montierte ich schnell einen 022er mit SW-Krümmer. Gar nicht so einfach, der passt nicht an den 687er (bzw. auch 686er) Rahmen. Musste kurz improvisieren:

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Bei der Gelegenheit gleich den Kickstarter so montiert, dass er nicht am Seitendeckel anliegt.

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Zum Glück habe ich alle möglichen und unmöglichen Auspuffschellen rumliegen. Als Abstandsstück fungiert eine alte Bronzebuchse vom Kupplungsrad.

Dann noch Kühlmittel aufgefüllt, da fehlten ein paar Schluck, mal sehen, ob das Kühlsystem dicht ist. Dann Probefahrt..... Von der Fahrbarkeit ist der (Standart SW-) Auspuff absolut okay, dreht schön hoch, wenn man mag auch in den roten Bereich. Der Durchzug ist auch gut.

Leicht geduckt:

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Der DZM war knapp im roten Bereich, so ca. 9.200 Umdrehungen, der Tacho zeigte leicht über 100 km/h an. Tachoübersetzung muss ich anpassen.

Bin mal gespannt, wie die RS mit dem orig. 687er Auspuff geht.
 
Bin mal gespannt wie Ätznatron wirkt.
Gruß Nikolaus
 
Der sollte etwas besser gehen. Ich konnte mal den 687er mal mit dem konischen KTM Auspuff vergleichen, die waren gleich.
 
Dieses Natronzeugs... mache ich nicht mehr, Wirkung nicht so wie erhofft. Punkt.

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Dann lieber altherkömmlich. Aufpassen, dass der Chrom nicht zu heißt wird, sonst gibt es Anlassfarben.

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Jetzt ist er wieder sauber.

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Danach kupplungsseitig alles gecheckt.

Hier hat jemand 2 Simmerringe verbaut:

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Wird ersetzt durch einen 20x28x5 WAS.

Um im Kupplungsraum ohne das Öl abzulassen arbeiten zu können, empfiehlt sich die bekannte "stabile Seitenlage". Lenker eingeschlagen unter dem Gasgriff Polstermaterial und am Gepäckträger z. B. einen leeren umgedrehten Eimer. So wird nichts beschädigt. Vorher Sprit ablassen, Tank darf max. zu 35 Prozent befüllt sein. Natürlich auch den Vergaser leerlaufen lassen und das Kühlwasser entfernen.

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Zuerst die Kupplung. Wie stellt man fest, wie stark die Reiblamellen sind, ohne diese auszubauen und zu messen? Ganz einfach...

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Wenn die Einstellschraube bei korrekt eingestelltem Kupplungsspiel so weit wie oben im Bild herausschaut, dann passt das. Denn: je stärker die Lamellen, desto weiter "wandern" die drei Ausleger für die Druckplatte im Kupplungskorb nach hinten, d. h. dass die Druckplatte auch "tiefer" liegt, somit muss die Einstellschraube weiter eingedreht werden. Persönliche Erfahrungswerte......

Dann die Wasserpumpe. Die Buchse ist in Ordnung.

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Die Gleidringdichtung hat noch ordentlichen Federdruck, auch die Welle im Bereich des Simmerrings und hinter dem Flügelrad ist in Ordnung:

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D. h. nur einen neuen Simmerring, ein neues Rillenkugellager und zwei neue O-Ringe. Die Welle habe ich im Bereich des Simmerrings etwas abgezogen.

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Dann alles wieder montiert und zur Zündung:

Falsche Zündkerze....

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Da kommt eine 27er Denso rein.

ZZP:

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1,4 mm vor OT, korrigiert auf knapp 1 mm vor OT.

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Tachoantrieb, der Tacho eilt ja fast 20 km vor.



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Original ist der Antrieb mit 8/11 übersetzt. So ist er auch verbaut gewesen. Etwas sollte bzw. kann ein Tacho schon voreilen, jedoch nicht so viel. Deshalb das Schneckenrad von 11 auf 12 Zähne getauscht. Blau hat 12, beige hat 11 Zähne:

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Keine Ahnung, was Sachs bzw. Hercules sich dabei gedacht haben. Wahrscheinlich in der Schule beim einfachen Dreisatz nicht aufgepasst.

Dann ist mir noch ein verbogener Soziusfußraster aufgefallen....

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Ist jetzt auch gerichtet:

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Dann alles wieder zusammgebaut, orig. Auspuff dran und Probefahrt. Der 687er Auspuff hat mehr Durchzug als die 022er Anlage, der SW wird in mittleren Drehzahlen dadurch "fahrbarer". Bei der max. Drehzahl bricht er etwas ein. Trotzdem ein sehr guter Kompromiss. Echte 88 km/h sind ein guter Wert.

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In der Ebene, Windstille, leicht geduckt. Drehzahlmesser bei ca. 9.500, Tacho zeigt 95 km/h an. Das passt erstmal.

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In den nächsten Tage noch Vergaser, Luftfilter und Züge, da sind einige falsch verlegt.
 
hallo holger!

hatte nichts anderes erwartet.
geplante und korrekte arbeit führt immer zu einem guten ergebnis!
das mit dem natron zeugs mache ich auch nicht mehr.
ebenso entfallen die entsorgungsprobleme.
ausbrennen lassen, wie auf deinem foto.
wenns einmal brennt und kokelt, ein nasses betttuch drum.
dann bleibt der chrom wie er vorher war.
wichtig ist dabei die windrichtung.
ich achte darauf, das der rauch zum nachbarn zieht
und nicht in die eigene garage........

grüsse
markus
 
Das mit dem Betttuch ist ein guter Tipp!
 
hallo!

hat mein vater schon so gemacht.
der hat ja damals beim zündapp händler in der werkstatt gearbeitet.
da musste ein "blauer" auspuff bei der 12000km inspektion ausgeschlossen werden!
ach ja, da war dann auch der erste getriebeölwechel bei den meissten zündapps.

grüsse
markus
 
ich achte darauf, das der rauch zum nachbarn zieht
Diesen Grundsatz hatte ich vor 32 Jahren mal zu ernst genommen, weil ich eine neue Hitachi G230 2,4 KW Flex mit integriertem Sanftanlauf einem richtigen Härtetset unterzog. Der Verkäufer versprach mir ein Neuteil oder Geld zurück, wenn ich es schaffe diese Maschine im regulären Baustellenbetrieb abzustechen.

Ich hatte damals einen 15 Meter langen, ca. 12 cm hohen und 20 cm vorstehenden betonierten Dachvorsprug eines früheren Flachdaches, welcher wegen Stockwerksaufbau weg musste. Deshalb war mein Ziel diesen 15 meter langen Betonvorsprung und deren Eisen-Armierung in einem Arbeitsgang mit einer damals sehr teuren neuen Diamanttrennscheibe, so tief wie möglich durchzutrennen. Der Wind zog an diesem Tag zum Garten meine Nachbarin, welchen nur die Straße zu meinem Haus trennte.

Nach ca. 2½ Stunden war die Tat vollbracht und mit mehreren wuchtigen Schlägen vom Vorschlaghammer stürzte der störende betonierte Vorsprung wie erwartet ab. Die gute Hitachi Flex drückte im laufe dieser Folter etwas Getriebefett heraus, funktioniert aber sogar heute noch, das war zu dieser Zeit noch gute japanische Wertarbeit.

Als kurze Zeit später die weinende Nachbarin mein Grundstück betrat wurde mir erst klar was ich unabsichtlich an ihrem Garten anrichtete, alle Pflanzen und Sträucher hatten nur noch eine einheitliche "sandgraue" Farbe und waren dicht mit Staub bedeckt, so viel zum Zitat..."das der rauch zum nachbarn zieht" ;)
 
Bei richtiger Vergaserabstimmung gibt es den Rauch während der Fahrt und nicht beim Nachbarn.
Also Auspuff grob frei popeln und dann 200km Spaß haben, dann ist der frei.
 
Heute noch ein paar Sachen erledigt. Zuerst die Züge richtig verlegt. Ohne Kabelbinder einfach über die vorderen Tankhalterungen.

Vorher:

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Nachher:

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Kalstartgummi getauscht:

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Und Luftfilter von innen nach außen ausgeblasen.

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Finale Probefahrt:

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Passt jetzt alles. Lässt sich schön fahren. Für die Laufleistung mit dem ersten Zylindersatz sehr ordentlicher Motorlauf. Kein Grund den Motor komplett neu zu machen.
 
Interessant, der Auspuffeinsatz sieht bis auf den gelochten Hut ( Konus ) genau wie der Auspuffeinsatz von der KX 5 aus.
Und in dem Endstück sieht man bei der Ultra ein Siebrohr, während das von der KX 5 keine Löcher hat, also durchgängig ist.
Jetzt gehe ich davon aus, daß der zusätzliche Aufwand bei der Ultra der Schalldämpfung für die hohen Frequenzen durch die hohen Drehzahlen geschuldet ist.
 
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