Zündungsinstandsetzung

Mopedikürer

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Hercules Mk2 1976
Moin, moin, moin...

I.d. letzten Wochen habe ich nicht viel geschafft, weil ich (nervlich) ein wenig geschafft war und auch wieder in Arbeit bin.

Ich habe hier zwei 50s in Pflege, einer hat eine KW mit kleinem Lima-Konus und eine Zündung vom 501 bkf bekommen, der andere die spät-1970er Unterbrecherzündung mit schwerem Polrad.

Für den 50s mit Mokick-Zündung habe ich ein Polrad verwendet, das weder vom 50s noch vom 501 stammt, da das 501er Polrad auf dem Konus zu hoch steht und die Magnete nur halb über die Spulen reichen.
Ich habe meinen eigenen alten 50s zwar genauso ohne Probleme betrieben, aber hier habe ich es technisch etwas korrekter gemacht - die Magnete reichen nun fast ganz über die Spulenanker.

kmqy-15s-d54c.jpg


Ein originales Polrad vom 50s mit kleinem Konus ist 1. sehr selten und würde 2. mit der innenliegenden schwarzen Zündspule vom 501 bkf nicht funktionieren, da das Abrissmaß der Magnete von den Polschuhen im Zündzeitpunkt ein völlig anderes ist.
Da die außenliegende Zündspule durch eine sehr kräftige Niederspannungsspule auf der Grundplatte versorgt wird hat Bosch, um Ströme von über 2A im Zündmoment zu vermeiden, das Abrissmaß auf satte 25 mm eingestellt, während die innenliegende Zündspule vom 501 bkf u.Ä. einen Abriss kurz hinter dem Polschuh erfordert, seien es nun 5, 7 oder 9 mm oder auch weniger.
Zwischen den Magneten, im Wechsel von Nordpol nach Südpol ist die Erregung der Spule am höchsten, dort muss die kleine innenliegende Spule gezündet werden.
Die große Zündspule vom 50s zündet man also absichtlich an einem tiefen Punkt der Stromkurve, also noch vor dem Abriss des Magneten und der Umkehrung des Magnetfeldes, um die außenliegende Hochspannungswicklung zu schonen.

Die Stellung der Magnete beim 50s Polrad entspricht genau der Stellung der Magnete eines linksdrehenden Mokick- oder Mofapolrades. Dieses liefert im Rechtslauf an einer Mokickzündung einen viel zu schwachen Zündfunken, aufgrund des Abrisses. Dreht man es links, so ist der Funke stark.

Man könnte demnach also ein linksdrehendes Mofa- oder Mokickpolrad hernehmen, um einen alten 50s mit 25 Watt Unterbrecherzündung und kleinem Lima-Konus zum Laufen zu kriegen. Allerdings sollte es weder zu hoch, noch zu tief sitzen und man muss die Lichtleistung aufgrund unterschiedlich starker Magnetisierung prüfen.

Nun zu der Arbeit an den Zündungen - zunächst musste die fühlbar eingeschliffene Nocke des 50s-Polrades bearbeitet werden.

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Der Schleifer auf Bild 2 liefert einen recht starken Abtrag, man muss aufpassen, dass man keine Wellen einschleift. Der Lamellenschleifer auf Bild 3 wiederum trägt kaum Oberfläche ab, glättet diese aber wesentlich.
Mit Feinschlifpaste und einem harten Filz bekommt man die Oberfläche endfertig. Polier- oder Abklärpaste macht hier nicht viel Sinn, da diese in die Oberfläche eingearbeitet werden und nur optisch wirken.


Stattdessen trage ich lieber etwas Ballistol-Montagespray auf, dass ebenfalls i.d. Oberfläche eindringt, diese glättet und die Reibung v.A. gegenüber Kunststoff verringert.

Die Späne kann man vorher mit Wasserdruck oder viell. auch mit Luftdruck einigermaßen gründlich von den Magneten entfernen.




Zum Konservieren trage ich Gunex-Waffenöl (auch von Klever wie Ballistol, sehr guter Rostschutz) auf und lasse das einen Tag lang einwirken, anschließend wische ich es gründlich ab und entfette den Konus von innen.
Die feindrähtigen Spulen habe ich entfettet und mit zusätzlichem Schutzlack versehen, da der originale immer schon brüchig ist a.d. alten Dingern.




Die Zündungen habe ich nat. zerlegt und gereinigt und mit neuen Kabeln und neuen Unterbrechern versehen.

Besondere Aufmerksamkeit den Kabelwegen bei der 24 Watt - Zündung:



Da mein Kabelschuh etwas länger ist und mit dem großen Polradkonus auch eine erheblich größere Nocke Platz einnimmt habe ich das Kabel nicht wie auf Bild 1, sondern mie auf Bild 2 und 3 gezeigt von hinten durch die Platte gezogen, so liegt es wesentlich sicherer und gerät nicht an die Polradnocke.
Die abgehenden Kabel sollten aber IMMER aus dem äußeren der beiden Löcher nach draußen geführt werden (Bild 3), weil sie sonst an die auf der Kurbelwelle sitzenden Gummischeibe geraten und aufgeschliffen werden!




Beide Motoren haben eine neue Ölschleuderscheibe bekommen, die ordentlich stramm sitz und dichtet.
Ich habe in eine 32mm Gummischeibe ein 16mm Loch geschlagen, so sitzt sie fest auf den 17er Wellenstümpfen.
Auch neue Schmierfilze - auch wenn sie nun schon etwas schmutzig aussehen - habe ich verbaut, mit Heißlagerfett befettet.
Die Ölschleuderscheibe schleudert über die Zeit aus dem Wellendichtring dringendes Öl-Kraftstoffgemisch ins Äußere der Zündung, am Polrad vorbei. Sie verhindert, dass es am Wellenstumpf und über die Polradnabe entlangkriecht und die Zündung verschmutzt, was über die Zeit die Isolierung der Spulen beschädigt und in die feindrähtigen Spulen hineinzieht und diese letztendlich zerstört.
 
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