Sachs 50s V1 - Getriebe - Aufbereitung

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Beitragvon Mopedikürer » 18.06.2015 21:56

Moin und Servus!

Hatte mir vor über einem Jahr einen ganz alten Sachs 50s von vor 1970 gekauft, zwecks Tuning meiner mk2.
Bin allerdings vor kurzem erst dazu gekommen, den mal probeweise einzubauen, musste dann feststellen, dass er Getriebeöl säuft und mölmt wie eine Tränengasgranate, wenn man das Moped nach links kippt...

War ein falscher Simmerring einfach lose zwischen den beiden linken KW-Lagern - der richtige hinter dem Lagersitz war allerdings auch nicht mehr vorhanden. Eingebrochen und vergessen zu klauen...

Außerdem hat der Motor ein Korrossionsproblem, gegen das nur eine gründliche Aufarbeitung und neuer Lack hilft, betroffen sind Zündungsgehäuse, KW-Gehäuse und der untere Teil des Motors, bes. nach hinten hin, der Bürzel für die untere Motorhalterung.

Zudem singen irgendwelche Lager ein wenig, wahrscheinlich sind es die Zylinderrollenlager. Es ist schon die Bauform NU statt N verbaut worden, allerdings nicht die neue Form (ECP bei SKF, ETVP bei FAG) mit optimierter Rolle-Bord-Berührung -- viell. ist das die Ursache.

Es wäre nicht schlimm, aber ich möchte wenigstens für die KW-Lagerung neue Lager verbauen. Als Getriebelager verwende ich gute Lager aus einem kaputten Dreigang (501/3 bkf).

Zylinderrollenlager, originalerweise N203 C3, modernerweise und erprobterweise nun NU203 C3, sind ein Markenzeichen des ganz alten 50s der ersten Reihe. Sie sind beinahe unkaputtbar.

Weiterhin zeichnen diesen Motor aus: Die 3-Lamellen-Kupplung gleich dem 501, schmale Überströmer, noch schmaler als beim 501 und dem späteren 50s.

Auch ist die frühere Zusammensetzung des Alu-Druckgusses leichter und leider auch korrossionsanfälliger im Gegensatzt zu allen späteren Motoren.

Das waren die ersten Bilder von dem recht seltenen, nicht ganz so gutem Stück:


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Zum Waschen empfiehlt sich ein billiges, aber säurefreies, für blankes Aluminium geeignetes Felgenspray.

Wie gesagt, er lief zwar, aber er sog Öl, und die Hauptwelle hatte etwas Spiel, und was weiß man, was noch alles im Argen ist, also habe ich ihn zerlegt, hier die entlagerten Hälften:

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Dann blank gebürstet, mit großer Messingtopfbürste und Dremelbürsten für kleine Zwischenräume:

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Da die Motorhalterung arg angefressen war habe ich mich entschieden, zwei Buchsen dort einzusetzen, eine Arbeitskollegin hatte den Einfall, dass ich dafür M8-Gewindenietmuttern nehmen könnte. Die kann man per Zugbolzen in dünne Bleche nieten und hat dann einen Gewindeeinsatz.
Für meine Anwendung habe ich das Gewinde einfach ausgebohrt und eine schöne Buchse erhalten. Allerdings bedurf es eines 10,9 mm Bohrers, um sie fest einzupassen. Und leider ist mir dabei an einer Hälfte der Bohrer durchgerauscht, weil das Loch schon schräg abgefressen war...


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Mit den Buchsen habe ich wieder ein Gehäuse-Maß von 40 mm je Hälfte erreicht, deshalb der Schleifstein
Sowieso hatte ich vor, die arg angegriffenen Stellen mit Kaltmetall zu behandeln:


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Der Repair-Stick-Aluminium von Conrad ist ein sehr hitzebeständiges Zeug, 180° Dauerhitze und bis zu 300° kurzzeitiges Erhitzen kann das Zeug ab. Das ist schon besser, da man zum Lager einschrumpfen so ein Teil mal auf die Herdplatte legen muss.

Dann mit Feilen und Dremel die mit Kaltmetall versehenen Stellen bearbeitet:


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Wichtig war mir schon beim Einbau der Buchsen, auf ein Maß von 40 mm je Hälfte zu kommen. Leider ist die Buchse auf der lädierten Seite etwas schräg geraten, ich habe sie um 3/10 mm runter und gerade feilen müssen. Aber die ganze Sache hat jetzt wirklich schon Gesicht!

Jetzt muss er vor dem Lackieren noch fein geschliffen werden, ich habe dazu hauptsächlich Fließscheiben verwendet, einen großen Winkelschleifer und die kleinen Dinger auf dem Dremel.
Zwischen die Kühlrippen kommt man nur mit den kleinen Pinselbürsten vom Dremel.

Und eine Sache soll mich nicht hinterher ärgern: Die sehr schmalen Überströmer. Die habe ich tatsächlich fast 100%ig auf das Maß der späteren Motoren erweitern können, ohne das Gehäuse durchzuschleifen.
Oben links nochmal ein Bild der ursprünglichen Überströmer zum Vergleich:


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Zur Orientierung habe ich ein 501 bkf - Gehäuse rangehalten und eine Fussdichtung. Die alten Überströmer waren für andere Zylinder gedacht, z.B. den 5,3 PS Sprint. Jetzt kann man auch einen 5,8 PS Sprint oder einen 6,25 PS Alu-Breitwand oder einen Athena oder Parmaschinken draufsetzen!

So, nochmal mit nem Deltaschleifer feingeschliffen, und i.d. Ecken mit den Dremelbürsten,da blankes Alu ein wenig oxidiert. Dann noch die Innenseiten abgeklebt und mit Zwischenabluft 3 Schichten Aluminiumspray raufgesprüht:


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Nach 24 Std. Trocknen sollte der Lack durchgehärtet sein, aber er war leider nicht mal nagelfest. Vielleicht habe ich zu dick aufgetragen, aber das sollte eigentlich passen.

Von Einbrennen steht nichts in der Anleitung, aber durch das Einbrennen a.d. Herdplatte konnte der Lack wirklich zu einer akzeptablen Härte aushärten.
Leider sind mir dabei Fehler unterlaufen:


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Das Kaltmetall vertrug nicht ganz so viel Hitze, wie die voll aufgedrehte Herdplatte, daher kamen brauns Schlieren durch den Lack, wo das zeug drunter war. Außerdem scheint es Feuchtigkeit enthalten zu haben, die man vorher durch Hitze hätte austreiben sollen (2. Foto vergrößern, da sieht man soz. Mikrobläschen, die rauhe Flecken bilden)

Außerdem habe ich eine der Hälften zu früh mit einem Topflappen gepackt, da war der Lack noch weich unter der Hitze, das hat die Oberfläche versaut.

Beim nächsten Anlauf habe ich beide Hälften von unten nochmal angeschliffen und besprüht, dann auf der Platte und im Ofen bestimmt insgesamt 2 Std. ausgebacken, im Ergebnis war der Lack auch unter Hitze nagelfest und griffest - so wie es sein soll.

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An der zweiten Hälfte habe ich leider zu schnell erhitzt, so dass sich größere Bläschen gebildet haben - also nochmal das Ganze bzw. das Halbe...

So ganz kratzfest wie der Originallack unserer Sachs-Motoren ist wohl kein Dosenack -- mit ner Stahlbürste merkt man den Unterschied sehr wohl, da ist der Sachs-Lack um Klassen härter. Vielleicht könnte ein 2K-Lack oder ein Hitzesilber da eher mithalten.

So schaut das Aluspray von werkstatt-produkte.de aus:

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Ich habe auf den letzten Bildern eine 501er-Hälfte in Werkslack aufgesteckt, die mit den kleinen Zylinderstehbolzen. Man sieht, dass das Aluspray etwas blasser i.d. Farbe ist.
Wenn man es dünn aufsprüht, dann trocknet es aber sehr schnell und ist hochhaftend und bis 600°C hitzefest. Ein Vespa-Restaurierer nimmt das für seine Motorteile und auch Bremsteller. Ist wirklich ein gutes Zeug.

Aber Gott sei dank, ich habe einen Lack gefunden, der 99% aussieht wie der Sachs-Werkslack, exakt der Farbton, nur geringste Abweichung in Feiheit der Metallic-Partikel und viell. der Oberfläche, aber ein Motor in Werkslack hat glatte und manchmal auch rauhe Flächen, da kommt die Farbe natürlich etwas anders rüber, da rauh und glatt verschieden reflektieren.

Eine Dose Pinsellack der Sorte Hammerite Heizungslack Alu-Effekt habe ich in meiner Firma gefunden, mitgenommen und probeweise auf meinen Motor und Zündungsdeckel geschmiert, auch auf ein anderes Motorgehäuse: Der Farbton ist sowas von derselbe!


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Im zweiten Bild schon ein mit Hammerite lackierter Kupplungsdeckel im Vergleich mit alten Deckeln im Werkslack, dann auch eine frisch lackierte Motorhälfte im Vgl. mit einem alten Gehäuse. Natürlich bringt der alte Kupplungsdeckel auf dem letzten Bild nicht die Leuchtkraft des frischen. Bei Tageslicht sieht der Farbton genau gleich aus.

Allerdings verwende ich als Grundierung das Aluspray, da Hammerite nicht für NE-Metalle ohne Grundierung geeignet ist. Ich denke auch, dass eine einzige dünne Schicht Aluspray besser ist, als irgendein Haftgrund.

Hier nun Bilder vom Lackieren mit Alu-Effekt Heizungslack und einbau der Lager:


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An der Kurbelwelle musste ich erst einmal die bordlosen Lagerinnenringe einschleifen, damit ich sie mit meinem BO17-Abzieher runterkriege, denn mein Trennmesser hat darin versagt.
Beim Aufschrumpfen der neuen Ringe habe ich vor lauter Nervosität einen der Ringe zu lange erhitzt, aus Angst, er würde nicht ganz raufgehen und ich ihn dann nicht mehr runter kriegen. Schwachsinn das...
Er ist etwas angebräunt, eigentlich sollte man ihn wechseln, da es aber mein Motor ist und keiner zum Verkaufen drücke ich da mal ein Auge zu.


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Dann habe ich noch eine besser passende Pleuelbuchse aus meiner alten Kurbelwelle eingepresst, ausreiben war nicht mehr nötig.


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Eingebaut wird die Kurbelwelle, indem man sie mit Ritzel und Distanzring gegen das kleine linke Lager schraubt. Man muss diese Welle auch nicht einmessen, da die Rollenlager axiales Verschieben erlauben.
Nur 2 x 0,8 mm Passcheiben und gut ist.

Ausmessen des Spiels der Getriebewellen und Zusammenbau des Getriebes:


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(Wenn mein Messen wirklich so gut geklappt hätte -- immer muss ich irgendwo korrigieren... und unsere Kalibrierung i.d. Firma bestätigt: Beide Messlehren gehen genau... :oops: )

Dann Schaltung und Kupplungskorb einbauen. Und die Lamellen mittels Riesenschraubzwinge einpressen. Ich habe alte Lamellen genommen, aber die lagen fast bei 3,6 mm - reicht dicke... 3,3 reicht auch noch.

Ich habe einen alten Korb und Primärtrieb eingebaut, da ich neue Sachen in Motoren zum Verkaufen einbauen will. Aber entrostet siehts auch noch ganz gut aus und erfüllt seinen Zweck.


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Wenn die Lamellen trotz Zentrieren mit Vorgelegerad wieder verrutscht sind und es nach Verschließen mit dem großen Seegering nicht reingeht kann man einfach mit einer Schraube die Kupplung einpressen:


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Auch habe ich das Gummi (Bilder oben) wieder eingebaut, welches ich beim Zerlegen für unnötig befand; aber ich habe bei der Arbeit später festgestellt, dass der Druckkeil der Kupplung tatsächlich verrutscht war -- wahrscheinlich hat der Vorbesitzer eine ähnliche Erfahrung gemacht und dann den Keil zusätzlich gesichert. Schaden kann es sicherlich nicht.

Nur noch einen M4 Gewindestift selber nachfertigen, da dieser fehlte, er sichert die Schraube zur Einstellung der Kupplung. Auch war der Hebel am Kurvennapf etwas verbogen.


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Weil es so schön ist noch ein Haufen Bilder vom zusammengebauten Getriebe:


BildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBild Teils mein alter 501er zum Farbvergleich

Zylinder muss aber noch rauf, Zündung rein und Zündung eingestellt:


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Zündeinstellung habe wie folgt vorgenommen: Mittels Multimeter im Niederohmbereich den Schaltzeitpunkt des Unterbrechers genau festgestellt. (Offen 0,6 Ohm, geschlossen 0,2 Ohm) Messleitung an Kurzschlusskabel und Masse.
Mit nullbarer Schieblehre an einem Totpunktsucher angesetzt und Polrad von Schaltzeitpunkt bis über OT gedreht. Sollwert für meinen gefeilten Zylinder vom 501 bkf: 1,4 mm vor OT.
Kontaktabstand in einen Bereich eingestellt, in dem der Sollwert erreichbar ist, dann Ankerplatte genau ausgerichtet, bis die Messung 1,4 mm ergab.

Dabei rauschten auf einmal die ohmschen Werte haushoch und kellertief, dann habe ich gemerkt, dass das dünne Kabel der Zündspule schon im untersten Bogen blank war und gegen die Platte gekommen war. Also erstmal Isolierband:


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Auch der Hakenschlüssel eignet sich super zum HAlten des Polrades. Man darf aber nicht abrutschen, v.A. nicht in eine der Spulen...

Hier ist er nochmal mit meinem 501er. Achtet auf den Zündungsdeckel - das ist der vom 501er. Sieht die Farbe nicht perfekt gleich aus? Nur dass er halt alt ist, aber er passt auf jeden Fall dazu, fällt am Moped kaum auf. Und bei Tageslicht sieht der Lack genau original aus...


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Beitragvon Helme » 19.06.2015 09:39

Hast Du sehr schön gemacht mit den Bildern, so ein Bild Doko ist einfach eine tolle Sache, dein Bericht dazu einfach 1a.
Dir fehlt eine Sandstrahlkabine,das wäre eine Arbeitserleichterung.
Mach weiter so tolle Berichte.
PS: Kann das sein das dein Hauptständer etwas zu weit nach vorne steht und das Hinterrad schon am Boden ist wenn´s Moped aufgebockt ist.
Man kann alt werden wie ne Kuh,man lernt immer was dazu. :)
Gruß Helme
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Beitragvon Mopedikürer » 10.09.2015 23:28

Eine Sache wär da noch:

Man sieht es eigentlich auch auf den Bildern, wenn man best. Bilder vergleicht, wo das Licht gleich wirkt:

Der Hammerite-Lack und das Aluspray sehen gleich aus!!

Und ich habe heute einen Deckel besprüht, vordere Hälfte mit Hammerite, hintere Hälfte mit Aluspray:

http://www.ebay.de/itm/ALUMINIUMSPRAY-ALUSPRAY-ALU-EFFEKT-1-x-400-ml-/390157246773?hash=item5ad72f2135
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Beitragvon Mopedikürer » 12.04.2016 09:10

Noch ein Tipp:

Auch das Aluspray hat auf dem leichten, vor 1970er Aludruckguss keine rechte Haftung, von einem Motordeckel konnte ich es einmal mit Klebeband locker runterreißen........

Der Alu-Haftgrund von Auto-K (bis 600°C hitzefest) löst dieses Problem, andere Haftgründe wahrscheinlich auch.

Wie gesagt, den Hammerite Lack verwende ich auch nicht mehr.

Ich hatte auch Gelegenheit diesen Motor nun mal zu strahlen, wenn ich ihn wieder aufbaue, stelle ich ihn hier vor. Er hatte nach etwa 5 Monaten a 1600 km einen Pleuellagerschaden erlitten.
Bei einer 45 bis 50 Jahre alten Kurbelwelle kein Wunder...

-- 12.04.2016 14:53 --

Und statt den blöden Hakenschlüssel kann man zum Halten des Polrades auch einen stinknormalen Schlüssel vom Winkelschleifer nehmen....
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